Wie du durch einen smarten Kanal-Mix präsenter wirst – und gleichzeitig das E-Mail-Postfach entlastest.
Wenn Unternehmen schnell Umsatz generieren müssen, ist der erste Reflex oft: mehr E-Mails senden. Das ist völlig logisch, denn kaum ein Kanal ist so etabliert und gleichzeitig so rentabel. Doch die Strategie, einfach das Volumen für alle zu erhöhen, um Ziele zu erzwingen, kann nach hinten losgehen und die Vertrauensbasis zu deinen Kontakten nachhaltig gefährden.
In unserem 2026 Marketing Orchestration Benchmark konnten wir einen direkten Zusammenhang zwischen Versandvolumen und Engagement feststellen: Je mehr E-Mails gesendet werden, desto stärker sinkt das Engagement. Zwischen dem Monat mit dem geringsten und dem mit dem höchsten Versandvolumen fielen die Klickraten um 26,1 %, während die Abmeldungen um 9,5 % stiegen. Das eigentliche Risiko ist jedoch nicht die Statistik, sondern das, was Sabrina Villepinte (Elevate Agency) als „stille Abwanderung“ bezeichnet: „Kontakte melden sich nicht aktiv ab, sie hören einfach nur auf, die Nachrichten wahrzunehmen.“ Hat man seine Zielgruppe erst einmal darauf eingestellt, Nachrichten zu übersehen, kann der Weg zurück zu echter Relevanz eine große Herausforderung werden.
Wann die E-Mail als Kanal allein nicht mehr ausreicht
Selbst bei bester Listenpflege und präziser Segmentierung hat die E-Mail ihre Grenzen, sowohl was ihre Möglichkeiten als auch die Zeitpunkte angeht, zu denen sie erfolgreich Umsatz generieren kann.
Yohann Delahaye (Avanci) bringt es auf den Punkt: „Wenn eine höhere Versandfrequenz dazu führt, dass der Umsatz pro E-Mail sinkt und die Abmeldungen sprunghaft ansteigen, sind nicht noch mehr E-Mails die Lösung. Vielversprechender ist dann eine Omnichannel-Strategie, bei der jeder Kontaktpunkt einen individuellen Mehrwert für die Customer Journey bietet.”
Die E-Mail als Kanal ist alles andere als veraltet, sie wird nur oft überbeansprucht. Den Kommunikationsdruck auf verschiedene Kanäle zu verteilen, sorgt dafür, dass dein gesamtes Marketing-Ökosystem gesund bleibt. Wenn spezialisierte Kanäle die Last teilen, kannst du insgesamt mehr Nachrichten und vielfältigere Formate versenden und dabei bessere Ergebnisse erzielen.
Wähle den optimalen Zeitpunkt für den passenden Kanal
Dein E-Mail-Postfach strategisch zu entlasten, bedeutet vor allem eines: Es lohnt sich, die individuellen Stärken jedes Kanals genau dort einzusetzen, wo sie in der Customer Journey am meisten bewirken. Es geht darum, für jeden Moment der Kundenbeziehung das passende Medium zu finden.
Stell dir vor, ein Modeunternehmen bringt eine neue Kollektion heraus. Wenn es sich allein auf E-Mails verlässt, konkurriert es im Werbe-Tab mit unzähligen anderen Marken. Aber was wäre, wenn das Unternehmen stattdessen eine Push-Nachricht auf den Sperrbildschirm schickt, sobald sich ein VIP-Kunde oder eine VIP-Kundin einem Store nähert? Direkt im Mobile Wallet erscheint ein Angebot: „Zeige diesen Pass heute für exklusiven Vorab-Zugang zur Frühlingskollektion und ein Geschenk an der Kasse.“
Statt im Postfach unterzugehen, erreicht die Botschaft deine Kontakte genau dann, wenn sie ohnehin in Kauflaune sind – mit einer Nachricht, die in diesem Augenblick wirklich relevant ist.
Sobald die Aufgabe jedes Kanals innerhalb der Journey klar definiert ist, ergibt sich die Orchestrierung fast wie von selbst:
- E-Mail: Perfekt für Tiefgang, Storytelling und als universeller Standardkanal. Sie bietet den nötigen Raum für komplexe Botschaften und einen ausführlichen Kontext.
- SMS: Für Dringlichkeit. Will Pearson, Co-Founder von Scalero, beschreibt es treffend: „Wenn es für die Empfänger:innen besser ist, die Nachricht später zu lesen, sende eine E-Mail. Wenn es wichtig ist, sie sofort zu lesen, sende eine SMS.“
- WhatsApp: Für echte Gespräche. E-Mails eignen sich kaum für einen direkten Austausch. WhatsApp wird immer wichtiger für den Kundenservice und bei konkretem Kaufinteresse, etwa bei Verfügbarkeits-Alerts.
- Push-Benachrichtigungen: Ideal für den Aufbau von Routinen und regelmäßige Updates. Mit Klickraten von durchschnittlich bis zu 9 % bei Mobile Push und 15 % bei In-App-Nachrichten sind sie extrem effektiv. Durchschnittlich lassen sich so 30 % der Kontakte zur App zurückholen.
- Mobile Wallet: Der Hebel für stärkere Kundenbindung. In Kombination mit Treueprogrammen sorgt das Mobile Wallet für sofortige Aufmerksamkeit. Digitale Wallet-Karten weisen durchschnittlich eine Retention Rate von 95 % auf, steigern den Umsatz pro Kund:in um bis zu 52 % und die Kauffrequenz um bis zu 77 %.
Auf die Steuerung kommt es an: Mehr Kanäle sind nur der Anfang
Eine erfolgreiche Omnichannel-Strategie verbindet die Stärken jeder Journey-Phase exakt mit dem passenden Kanal. Es geht darum, für jeden Moment der Kundenbeziehung das Medium zu finden, das die Botschaft am besten transportiert. So sorgst du dafür, dass deine Kommunikation abwechslungsreich bleibt und deine Kund:innen sich in jeder Phase individuell und wertschätzend angesprochen fühlen.
Die Grundlage dafür ist die nahtlose Abstimmung zwischen deinen Daten und der Orchestrierung der Customer Journey. Den größten Hebel hast du hier, wenn E-Mail-, SMS- und Web-Daten nahtlos ineinandergreifen und auf eine gemeinsame Datenbasis zugreifen. So schaffst du ein System, in dem die Kanäle intelligent aufeinander reagieren.
Wie genau solche bedingungsbasierten Workflows in der Praxis aussehen, zeigen die folgenden Beispiele.
Dank flexibler Workflows passt sich das Onboarding perfekt an die jeweilige Situation an. An der Kasse im Ladengeschäft ist die Kaufabsicht am höchsten: Dies ist der ideale Moment, um deinen wichtigsten Kanal ins Spiel zu bringen. Über einen QR-Code lässt sich die Kundenkarte direkt ins Mobile Wallet laden. Das erspart den Umweg über die E-Mail-Adresse und führt das Onboarding sowie die spätere Kommunikation nahtlos über das Smartphone fort.
Anders sieht es bei Nutzer:innen aus, die über eine klassische Awareness-Kampagne kommen. Hier ist eine E-Mail mit hilfreichen Kontext oft der bessere erste Schritt. Das Ziel bleibt jedoch, den Kontakt langfristig auf einen Kanal mit höherer Bindung zu führen. Reagiert die Person nicht auf die erste Mail, greift die Automation: Je nach vorliegenden Daten wird entweder eine SMS versendet oder eine relevante Anzeige in den sozialen Medien ausgespielt.
So führst du deine Kontakte schrittweise und ihren Bedürfnissen entsprechend an deine Marke heran.
Fazit
Die E-Mail ist und bleibt ein starkes Fundament, doch sie ist erst der erste Schritt. Wer über das reine Versandvolumen hinauswächst, schützt die langfristige Relevanz dieses wertvollen Kanals und verhindert, dass die Zielgruppe das Interesse verliert. Erfolgreiche Marken schaffen Systeme, die den Kommunikationsdruck genau dort und dann verteilen, wo er am wirkungsvollsten ist. Mit diesem Fokus auf echtes Engagement gewinnst du das Vertrauen deiner Kund:innen und steigerst nachhaltig deine Performance.






